Kerzen selber machen: Die ehrliche Anleitung inkl. aller Fehler, die du vermeiden solltest
Du willst Kerzen selber machen.
Schöne Idee. Wirklich.
Aber bevor du voller Enthusiasmus Wachs auf deinen Herd schüttest und dich drei Stunden später fragst, warum deine Kerze aussieht wie ein Lavalampe aus den 90ern — lies unsere persönliche Anleitung hier kurz mal durch.
Wir werfen einen Blick hinter den Wachstopf. Mit allem, was schiefgehen kann (und bei uns auch schon schief gegangen ist), was du wirklich brauchst und wie du am Ende eine Kerze in deinen Händen hältst, auf die du wirklich stolz sein kannst.
1. Was du brauchst und was du dir echt sparen kannst
Fangen wir mit dem Einkaufszettel an. Das Internet liebt es, dir hier tausend Sachen andrehen zu wollen. Und ja, wir haben am Anfang auch viel zu viel Zeug gekauft.
Was du wirklich brauchst (zumindest für den Anfang):
Wachs (Sojawachs für Anfängerinnen empfohlen — dazu gleich mehr)
Dochte mit Halter
Duftöl (speziell für Kerzen — nicht das aus dem Badezimmer)
Gefäß oder Form (bitte hitzebeständig)
Einen großen Topf und einen kleinen Topf (oder Schmelzschale)
Etwas zum Rühren
Optional, aber praktisch: Küchen-Thermometer
Was du dir erstmal sparen kannst:
Profi-Wachsschmelzer
Kerzenfarb-Sets für 40 Euro
10 verschiedene Düfte
Die Großpackung Dochte
3-kg-Wachspackung
Fang simpel an. Wirklich.
Schon gewusst:
In Candle Crew DIY Boxen → findest du alles, was du für deine DIY Duftkerze brauchst - fertig abgemessen, fertig zusammen gestellt. Falls du dir den Einkaufsstress und unnötige Ausgaben sparen möchtest. 😉
2. Wachssorten erklärt
Das ist die Frage, bei der die meisten zum ersten Mal stutzen: Welches Wachs soll ich nehmen?
Sojawachs ist die beste Wahl für Anfängerinnen, und auch unsere. Bei Candle Crew arbeiten wir ausschließlich mit Bio-Sojawachs, weil es gleichmäßig schmilzt, gut am Gefäß haftet, Duft wunderbar aufnimmt und pflanzenbasiert ist.
Paraffin ist das klassische Kerzenwachs. Günstig, leicht zu verarbeiten, schöne glatte Oberfläche. Aber: Es ist erdölbasiert, und das wollten wir für unsere Kerzen nicht.
Bienenwachs riecht wunderschön von Natur aus, ist teurer und verhält sich etwas eigenwillig. Eher für Fortgeschrittene.
Unser Tipp: Starte mit Sojawachs. Damit machst du dir das Wachs-Leben leichter!
3. Dochte, die heimlichen Helden der Kerze
Der Docht entscheidet darüber, wie deine Kerze brennt. Und ja, da gibt es Unterschiede.
Baumwolldochte sind der Klassiker. Günstig, zuverlässig, für die meisten Gefäßgrößen geeignet. Wenn du nicht weißt, womit du anfangen sollst: Baumwolle ist immer eine sichere Wahl.
Holzdochte sind unsere absoluten Lieblinge und die, die wir in unseren Workshops verwenden. Warum? Sie knistern beim Brennen leise vor sich hin, fast wie ein Mini-Kaminfeuer. Das macht einfach etwas mit der Atmosphäre. Sie brauchen etwas mehr Pflege (regelmäßig die verbrannte Spitze entfernen) und funktionieren super mit Sojawachs.
Wichtig bei beiden:
Die Dochtgröße muss zum Gefäßdurchmesser passen. Zu dünn = Kerze ertrinkt im eigenen Wachs. Zu dick = Ruß und riesige Flamme. Auf der Verpackung steht meistens, für welchen Durchmesser der Docht geeignet ist. Testen lohnt sich hier auf jeden Fall auch!
4. Düfte, und warum "einfach irgendein Öl" keine gute Idee ist
Hier passiert einer der häufigsten Anfängerfehler: Das falsche Öl kaufen.
Duftöle, die speziell für Kerzen hergestellt wurden, halten die Hitze am besten aus und verbrennen sauber. Ätherische Öle aus der Apotheke, Raumsprays oder Massageöle sind nicht dafür ausgelegt — sie können den Docht verstopfen, Ölpfützen bilden oder im schlimmsten Fall brennen.
Beim Kauf auf die Bezeichnung achten:
"Kerzenduftöl" oder "fragrance oil for candles" ist das, was du willst.
Und wie viel?
Als Faustregel gilt: 6–10% des Wachsgewichts. Bei 200g Wachs also 12–20g Duftöl. Mehr ist nicht mehr — zu viel Duftöl führt zu Ölpfützen auf der Oberfläche oder einem Docht, der sich weigert zu brennen.
Bei unseren Workshops bringen wir eine ganze Auswahl an Kerzendüften mit. Du kannst vor Ort testen und experimentieren, bis es genau deins ist.
5. Die Kerzen gießen Anleitung
Okay, jetzt wird's konkret. Hier kommt unsere Step-by-step Anleitung:
Schritt 1: Wachs schmelzen
Wachs im Wasserbad auf ca. 70–75°C erhitzen. Niemals direkt im Topf auf der Herdplatte schmelzen. Warte bis das Wachs komplett geschmolzen ist - es darf auf keinen Fall kochen!
Schritt 2: Duft einrühren
Bei ca. 65°C das Duftöl einrühren. Bitte kein Tornado-Rühren, sonst gibt es Bläschen in der Kerze.
Schritt 3: Docht fixieren
Platziere den Docht mit Halter in der Mitte des Gefäßes. Hast du einen Holzdocht, bleibt er selbst stehen. Bei einem Baumwolldocht kannst du ihn mit zwei Gummis fixieren, damit er mittig bleibt.
Schritt 4: Wachs ins Gefäß eingießen
Bei ca. 55–60°C kannst du das Wachs langsam in dein Gefäß gießen - nicht zu heiß, sonst zieht sich das Wachs beim Abkühlen stark zusammen und du bekommst ein Loch in der Mitte.
Schritt 5: Abkühlen lassen
Und jetzt kommt der schwerste Teil: nicht anfassen. Nicht wackeln. Nicht nach zehn Minuten schon nachschauen. Einfach für ein paar Stunden stehen lassen.
Schritt 6: Docht kürzen
Sobald das Wachs hart ist, den Docht auf ca. 5mm kürzen. Zu langer Docht = große Flamme = Ruß. Zu kurzer Docht = Kerze geht ständig aus.
6. Die häufigsten Fails
Zeit, die Hosen runterzulassen (denn einige davon sind uns am Anfang auch passiert). Hier sind die Fail-Klassiker:
"Meine Kerze hat ein Loch in der Mitte"
Das Wachs war beim Gießen zu heiß, oder es ist zu schnell abgekühlt. Lösung: eine zweite dünne Schicht Wachs nachgießen, sobald die erste ausgehärtet ist.
"Die Oberfläche sieht fleckig aus"
Bei Sojawachs völlig normal - nennt sich "Frosting" und ist ein Zeichen dafür, dass das Wachs natürlich ist. Also eigentlich kein Fail, sondern nur ungewohnt.
"Meine Kerze riecht kaum"
Entweder zu wenig Duftöl, oder doch ein Duftöl genommen, das nicht für Kerzen geeignet war.
"Der Docht ist nicht in der Mitte"
Der Halter war nicht gut befestigt. Beim nächsten Mal: Docht wirklich fixieren, bevor du gießt.
"Ich hab die Kerze zu früh angezündet"
Unser persönlicher Klassiker. Die Kerze schaut so fertig aus, man will sie sofort ausprobieren und dann brennt sie ungleichmäßig oder gar nicht richtig. Wachs braucht Zeit zum Aushärten. Wirklich. Stehen lassen, auch wenn es schwerfällt.
"Das Wasser hat gekocht"
Ist uns auch schon passiert. Das Wasserbad soll das Wachs langsam zum Schmelzen bringen. Wenn das Wasser kocht, wird es schnell zu heiß und beim Blubbern kann Wasser ins Wachs gelangen.
7. Erster Versuch, schönes Ergebnis — so geht's!
Wenn du nach dieser Anleitung denkst "eigentlich will ich das einfach entspannt und mit persönlicher Anleitung ausprobieren", dann komm einfach zu einem unserer Duftkerzen-Workshops.
Da kannst du dich voll und ganz auf die schönen Dinge wie Düfte, Farben & Deko konzentrieren. Ohne Chaos in der Küche, ohne Fehlkäufe, ohne das Loch in der Mitte.
Und das Beste:
Du nimmst gleich zwei fertige Duftkerzen mit nach Hause. Selbst gemacht, wunderschön, bereit zum Verschenken oder Behalten.
Alle Workshops & Termine ansehen →
Und wenn du doch lieber zu Hause zur Kerzen-Queen werden willst, haben wir alles was du brauchst in unserer DIY Box gepackt. Fertig zusammengestellt, mit den richtigen Mengen, ausführlicher Anleitung, direkt zu dir nach Hause.
8. Das Wichtigste auf einen Blick
Sojawachs für Anfängerinnen, Thermometer benutzen, Duftöl bei ca. 65°C einrühren
Docht gut fixieren, bei 55–60°C gießen, 24 Stunden in Ruhe lassen
Flecken auf Sojawachs sind normal, Löcher entstehen durch zu heißes Gießen
Kerzen selber machen ist kein Hexenwerk, aber es braucht ein bisschen Übung, die richtigen Materialien und vor allem: Geduld mit dem Wachs (und mit dir selbst). Deine erste Kerze wird vielleicht nicht perfekt. Deine zweite schon eher. Und ab der dritten fragst du dich, warum du nicht schon früher angefangen hast.
Am Ende ist Kerzen selber machen mehr als ein DIY-Projekt. Es ist ein Moment für dich. Und das ist, ehrlich gesagt, das Schönste daran.
Über die Autorinnen
Wir sind Katrin & Michelle — die Köpfe (und Hände) hinter Candle Crew Events.
Wir bringen Menschen zusammen, um gemeinsam Kerzen zu gießen, den Alltag hinter sich zu lassen und etwas ganz Individuelles zu erschaffen.
Weit weg von Perfektion und immer mit einer extra Prise Glitzer.